Januar 9, 2010 von badspit

02. reiß die Augen auf

Der Himmel färbt sich feuerrot/
Menschen stürzen in den Freitod/
nichts bleibt bestehen und ist zeitlos,
außer der Menschen Angst/
zum verenden verdammt/
Aufstände im Land
werden niedergeschlagen/
Menschen wieder versagen/
und ihre Liebe begraben.
Anarchischer Seelenzustand/
es brennt das ganze Land,
es brennt die ganze Welt/
es brennt all das Öl und all das Geld/
knallhart entstellt,
Blut weinend/
vor Wut schreiend
hauchen sie Leben aus/
und fallen mit gebrochener Faust.
In allen Hautfasern ein Bastard/
Wege mit Kadavern gepflastert,
überall zerfetzte leblose Körper/
Waffen ersetzen tote Wörter,
Lügen die Fristen für unser Dasein/
das alles kann nicht wahr sein,
Hochhäuser stürzen ein/
Glauben führte zu Pein,
und kollektives Erblinden/
lässt meine Hoffnung verschwinden.

Hook:
Du denkst es ist fiktiv,
aber fick’ dich,
das ist real,
reiß’ die Augen auf
oder ist es dir scheißegal.

Der Himmel färbt sich feuerrot/
Menschen kämpfen für teures Brot.
Zerbrochen und unterernährt/
erstochen unser Herz/
kein Wunder mehr/
Seelen an Kummer schwer/
Leben kein Groschen wert.
Seelen verdroschen/
Willen erloschen/
wir killen und boxen,
mutieren zu Drohnen/
und zu erfrieren drohen.
Hände nur noch rauben/
Brände vor Augen/
werden gen Ende laufen.
Der Himmel brennt/
Blut am Firmament,
rote Regentropfen/
ums Überleben Boxen/
vor Elend kotzen.
Vollkommen paranoid/
zerbomben wir das Paradies.
Benommen und schwach durch Krieg/
verkommen durch Hass und Trieb/
durch Tonnen an Last besiegt.
Hoffnung zerbissen und getreten
zerrissen im Erdbeben/
und in diesem beschissem Leben,
den Teufel anbeten.

Hook

Der Himmel färbt sich pechschwarz/
es ist echt hart,
dass ich hiermit Recht hab’.
Hoffnung liegt im Sarg/
tief im Grab/
kein Krisenjahr,
sondern eine Krisenepoche/
Herzen mies erstochen/
und die Liebe verdroschen.
Begrabene Sonnen/
Plagen und Bomben,
blutgetränkte Erde/
von Wut verdrängte Werte/
in der Glut versenkte Ehre.
alle Krisen der Welt/
bilden ein Mienenfeld/
Menschen lieben sich nur selbst/
verdienen Geld,
indem sie sich prostituieren/
damit profilieren/
dass sie profitieren/
wenn ihre Opfer krepieren.
Sie boxen und massakrieren/
ihre Seelen am Hass verlieren/
bastardieren/
und sich krass verirren.
Ich sterbe und verreck’/
fress’ Erde und Dreck’/
in einer Welt ohne Ehre und Respekt/
Will ich nur von dieser Härte weg.

Ernüchterung

Januar 9, 2010 von badspit

„Wenn Liebe blind macht, will ich nie wieder sehen“

(Casper, aus „verflossene Liebe“, 2009)

Nur Sonnenschein. Er lässt alles in satten, intensiven, hellen Farbtönen erstrahlen. Er verdrängt das Graue aus den Straßen. Er lässt Rosen durch den Asphalt brechen. Er verdrängt die Tristesse. Alles strahlt. Mein Leben strahlt. Ich vergesse das Leiden. Ich vergesse die Schmerzen. Ich vergesse die Pein. Ich kann atmen. Ich kann mich zurücklehnen und den Trip genießen. Es ist tatsächlich wie auf einem Trip. Alles ist intensiver. Die Farben der Umgebung sind kräftiger. Alles schmeckt köstlicher. Alles riecht besser… sie riecht besser. Ich fühle die Wärme. Ich fühle die Zugehörigkeit. Ich fühle die Einheit. Ich denke, ich habe mein Ziel erreicht. Ich genieße. Und die Zeit verfliegt. Monate werden Wochen. Wochen zu Tagen. Tage zu Stunden. Stunden zu Minuten. Minuten zu Sekunden. Alles wirkt perfekt. Alles wirkt wie ein Traum. Alles wirkt irrational. Ich habe Angst, dass ich erwache. Ich habe Angst, dass ich nüchtern werde. Diese Ängste teilen sich mir in kurzen Visionen mit. Dunkle Bilder die vor dem inneren Auge vorbeifliegen. Zu schnell, dass ich sie vollkommen wahrnehmen kann. Zu schnell, dass ich sie begreifen kann. Zu schnell, dass ich sie verstehen kann: Grauer Himmel- Sturm- kahle Bäume- verwelkte Rosen- Tränen, die scheinbar an meinen Wangen herunterlaufen. Doch was sind Visionen? Es sind innere Bilder einer meist auf die Zukunft bezogenen Vorstellung. Vielleicht ist eine Vision sogar mehr als das. Vielleicht ist eine Vision eine visuelle Form der Intuition. Doch wieso sollte ich auf meine Intuition hören, wenn ich meinen Traum lebe? Wieso sollte ich auf meine Intuition vertrauen und mein perfektes Leben hinterfragen? Intuition, man scheißt auf sie. Man greift zur Naivität. Ich leugne die Visionen, die immer häufiger, klarer und mit längerer Dauer auftreten. Denn Naivität lässt einen ruhig atmen. Naivität lässt einen ruhig schlafen. Naivität lässt einen ruhig in Richtung Zukunft blicken. Ich konsumiere naiv weiter Drogen, ohne zu hinterfragen. Denn ich habe Angst, dass mein Trip weiter an Wirkung verliert. Ich habe Angst, dass ich erwache und mein Leben wieder den Stempel „ungewisse Zukunft“ trägt. Denn Ungewissheit ist nicht zu erfassen. Sie ist Unberechenbarkeit in reinster Form. Man hasst Unberechenbarkeit. Man versucht sie durch weitere Ziele und Pläne aus seiner Zukunft zu verdrängen: Zusammenziehen √, Heiraten √, Kinder bekommen √, Haus bauen √. Ich schlucke weiter Drogen in verschiedensten Formen, um diese Ziele zu verwirklichen. Ich schlucke Lügen in verschiedensten Formen, um diese Ziele zu verwirklichen. Um weiter blind zu sein und um weiter zu lieben. Denn wenn Liebe eben blind macht, will man nie wieder sehen. Und so genießt man weiter sein Leben. Man lebt weiter seinen Traum. Oder lebt man weiter seinen scheinbaren Traum? Ungewissheit ergreift mich. Ungewissheit beschäftigt mich. Ich werde zum Nachdenken animiert. Ich kann nicht mehr länger naiv Drogen konsumieren. Ich muss klar denken können. Ich muss meinen natürlichen Wissensdurst stillen. Ich muss meinen natürlichen Forscherdrang stillen. So blicke ich hinter die kitschig bemalten, bunten Pappfassaden. Ich begreife, dass die scheinbaren Visionen reale Bilder, die zu mir durchzudringen versuchten, waren. Ich stelle fest, diese Liebe war nur ein Traum. Doch ich habe zumindest die Ungewissheit aus der Gegenwart verbannt. Ich habe Gewissheit, wenn auch nur für einen Augenblick. Ich habe Gewissheit, auch wenn mich diese Gewissheit zerstört.

Dezember 11, 2009 von badspit

 

01. intro
Das ist das halbwaise Einzelkind/
eiskalt und vor Hass blind.
Nur Hass durchtrieben/
zu schwach zum lieben,
so viele bastardieren/
Zaster kriegen,
weil sie ihre Seele verkaufen/
kann mich nur quälen und saufen,
in einer kaputten Welt/
missraten vom Geld/
von Krisen entstellt/
nur ein Spiegel der Welt,
nur ein Blatt im Wind/
bis das Blut gerinnt/
die Wut macht blind,
einst im Glück geboren/
nun  Kontrolle verloren/
unmündig geworden/
Leben gekündigt, nun erfroren/
Beten stündlich, taube Ohren,
kein Erbarmen/
vor Pein erstarren,
trage rote Tränen/
sehe tote Seelen/
kann nur Drogen nehmen,
um dem Leben zu entfliehen,
und den Tränen zu entziehen/
das ist Stehen im Benzin
und das Streichholz werfen/
um gleich zu sterben,
frei von Hass und Beschwerden/
einfach nur Asche werden
und sich wieder erheben/
Phoenix auf Erden, mit Liedern erregen/
und nieder treten,
mit neuer Kraft, mit neuer Härte/
für eure Stärke
in den Krieg ziehen/
bevor sie ins Paradies fliehen
und wir auf dem Acker sterben/
das soll kein Massaker werden,
will nur Stimmen verleihen/
durch lyrisches Schreien.

es regnet

Juni 8, 2009 von badspit

„Regen. Überall Regen…“

Juni 7, 2009 von badspit

Regen. Überall Regen. Meine Hosenbeine sind durchnässt. Meine Schritte werden schwerer. Regentropfen gleiten langsam und perlenförmig an meinem frisch rasierten Schädel herab. Ich versuche einige von ihnen aus meinem Gesicht zu wischen. Doch dies ist ein aussichtsloser Kampf. Ich lasse davon ab. Ich blicke nach vorne. Und sehe Regen. Überall nur Regen. Ich kneife meine Augen zu, um zu verhindern dass Regentropfen in sie fallen. Doch auch dies ist aussichtslos. Ich bleibe stehen. Ich greife eine Gauloises-Packung aus meiner durchnässten Hosentasche. Die Kanten der Packung sind durch den Regen aufgeweicht und haben längst ihre rote Farbe verloren. Anschließend entnehme ich die letzte Zigarette aus der Packung. Doch sie entgleitet meiner nassen linken Hand und fällt in den endlosen Regen. Ich beobachte noch für einen Moment ihren Fall, doch lasse auch davon ab. Ich gehe weiter. Die Menschen um mich herum versinken in Regen und Hektik. Sie versuchen dem Regen zu entfliehen. Dabei ist es aussichtslos. Regen. Überall Regen. Einzig den Vögeln scheint der Regen Freude zu bereiten. Sie zwitschern und singen. Ich greife mein Handy aus der Jackentasche. Wische die Regentropfen vom Display. Immer noch keine Antwort, nachdem sie heute Morgen unser ursprünglich geplantes Vorhaben mal wieder abgesagt hat. Abgesagt, wegen des Regens. Ich bleibe stehen. Ich übergebe jegliche Gedanken an sie in die Obhut des Regens. Er soll sie wegspülen. Er soll mich reinigen, damit ich schweren Schrittes weiter gehen kann. Regen. Überall Regen. Ich hab sie verloren im endlosen Regen und flüstere leise: Lebe wohl. Ich bin frei.